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Meine Geschichte mit dem Schweizer Jugendchor, oder… Der Anruf, den ich ablehnte – und was daraus wurde

Es muss um 1998 gewesen sein, als in meiner kleinen Studentenwohnung in Basel das Telefon klingelte.

Ich hatte gerade mein Lehrdiplom für Klavier abgeschlossen und konnte damit erste kleinere Aufträge übernehmen, die mir das Leben in der eigenen Wohnung ermöglichten. Parallel dazu studierte ich Chorleitung im zweiten Hauptfach.

„Guten Tag, wir suchen noch Tenöre für das nächste Projekt des Schweizer Jugendchors“, sagte eine männliche Stimme. „Es ist ein Spitzenensemble – Sie werden es nicht bereuen.“

Ich war damals 24. Und obwohl ich aus dem Jugendchorbereich kam, fühlte ich mich in einer anderen Phase meines musikalischen Lebens. Ich hatte bereits meinen eigenen Jugendchor gegründet und war in verschiedenen Ensembles aktiv.

„Danke, aber ich habe im Moment keine Zeit für ein weiteres Ensemble“, antwortete ich.

„Das können Sie doch nicht ernst meinen“, kam es zurück. „Eine solche Chance lehnt man nicht ab.“

Doch. Man kann. Für mich war es schlicht der falsche Zeitpunkt.


Zwischen Aufbruch und Entscheidung

Kurze Zeit später, im Jahr 2000, stand ich im Abschlussjahr meines Chorleitungsdiploms. Ich arbeitete mit meinem eigenen Laienchor und war voll in die praktische Chorarbeit eingetaucht.

Im selben Jahr hörte ich im Radio ein Interview mit dem Leiter der Musikkommission des Schweizerischen Gesangsfestes und damaligen Leiter des Schweizer Jugendchors.

Auf die Frage nach dem Highlight des Gesangsfestes antwortete er:


„Das Konzert mit dem Schweizer Jugendchor. Ich mag dieses Ensemble sehr.“

Und zur Entwicklung des Chorwesens sagte er:


„Man muss sich vor allem um die Ausbildung der Chorleitenden kümmern. Hier besteht grosses Entwicklungspotenzial.“

Ich wusste damals nicht genau, wie ich als junger Chorleiter diese Aussage einordnen sollte. Aber sie blieb hängen.


Verantwortung übernehmen

In der Region Basel suchte der Chordirigentenverband einen neuen Präsidenten. Obwohl ich noch jung war, übernahm ich die Aufgabe – aus Interesse an der Chorszene und am fachlichen Austausch.

Die Fragen veränderten sich: weg vom eigenen Singen, hin zur Struktur dahinter.

2003 wurde ich zu einem Chorsymposium im Hasliberg eingeladen, an dem unter anderem der Weltjugendchor beteiligt war. In dieser Funktion konnte ich an der Konzeption eines Schweizerischen Jugendchorfestivals mitarbeiten – als Ergänzung zu bestehenden internationalen Formaten.

Ich erinnere mich gut daran, dass ich in manchen Runden als „der Jüngere“ wahrgenommen wurde. Nicht immer mit viel Vorschussvertrauen.


Projekte, Begegnungen, Entwicklungen

2007 fand schließlich das erste Schweizerische Kinder- und Jugendchorfestival in Zürich statt – unter anderem mit meiner Mitarbeit. Im selben Jahr gründeten wir den Kammerchor des Gymnasiums Muttenz, der ebenfalls am Festival teilnahm.

In diesen Jahren begegnete mir der Schweizer Jugendchor immer wieder – nicht mehr als Einladung, sondern als Teil eines größeren Netzwerks, das sich ständig weiterentwickelte.

Einmal fragte mich ein damaliger Leiter:


„Warum gibt es in der Deutschschweiz eigentlich keine Chorkomponisten?“

Ich antwortete:


„Es gibt sie schon. Man kennt sie nur nicht.“

Das Gespräch endete abrupt. Und während des anschliessenden Konzerts sangen alle Chöre gemeinsam auf der Bühne – mit einer bemerkenswerten Ausnahme: Der Schweizer Jugendchor trat vom Balkon aus in den Saal.


Rückblick mit Abstand

In den folgenden Jahren blieb ich dem Ensemble eher am Rand verbunden. Gleichzeitig sangen zunehmend ehemalige Mitglieder meines Kammerchors nach dem Gymnasium im Schweizer Jugendchor weiter.

So entstand Jahre später ein gemeinsames Konzert in der katholischen Kirche Muttenz – ein Moment, der mir besonders in Erinnerung geblieben ist.

Mit der Zeit wurde deutlich, was sich verändert hatte: Der Schweizer Jugendchor war längst mehr als ein Ensemble. Er war zu einer wichtigen Plattform für junge Sängerinnen und Sänger sowie angehende Chorleitende geworden.


Heute würde ich anders entscheiden

Wenn ich heute – mit all den Erfahrungen der letzten Jahrzehnte – nochmals eine solche Anfrage erhalten würde, würde ich ohne Zögern zusagen.

Nicht, weil die damalige Entscheidung falsch war. Sondern weil sich der Blick verändert hat: auf Zeit, auf Prioritäten, auf das, was ein Ensemble im eigenen musikalischen Leben bedeuten kann.


Ein Konzert in Basel

Im Juni ergibt sich erneut die Gelegenheit zur Zusammenarbeit mit dem Schweizer Jugendchor.

Am 14. Juni um 19.00 Uhr gestalten wir gemeinsam ein Konzert in der Martinskirche in Basel.

Die Chordichte in der Region ist hoch, und externe Spitzenensembles können nicht automatisch auf ein grosses Stammpublikum zählen. Umso mehr würde es uns freuen, wenn dieses besondere Konzert auf Interesse stösst – und viele Zuhörerinnen Zuhörer den Weg in die Kirche finden.

 


 
 
 

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