UNESCO-Woche im Pestalozzidorf von Trogen

Das Gymnasium Muttenz ist eine UNESCO-assoziierte Schule. Dazu gehört, dass Themen der UNESCO aktiv in Unterrichtsgefässen aufgenommen und bearbeitet werden. In diesem Zusammenhang findet jedes Jahr eine sogenannte UNESCO-Woche statt, in der die Themen klassenweise thematisiert werden können. Auf der Homepage der UNESCO steht: „UNESCO, the United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization, is a specialized agency dedicated to strengthening international cooperation in the fields of education, science, culture, and information.“ Genau um die internationale Zusammenarbeit im Jugendbereich geht es im Grunde auch in der UNESCO-Woche, und ich hatte die Möglichkeit, in diesem Jahr wiederum an einem Austauschprojekt im Pestalozzidorf von Trogen mit einer Klasse aus Polen und einer eigenen FMS-Klasse (Pädagogik) teilzunehmen.
Die UNESCO wurde 1945 unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg gegründet. Nach den schrecklichen Ereignissen war für viele Länder klar, dass internationale Zusammenarbeit dringend mehr Aufmerksamkeit verdient hatte. Im Zuge dieser Bewegung wurde in der Schweiz ein Ort gesucht, der als Zufluchtsort für Waisen, die in Europa nach dem Krieg völlig auf sich alleine gestellt waren, dienen sollte. Als die Gemeinde Trogen dafür Land für den symbolischen Betrag von einem Schweizer Franken zur Verfügung stellte, wurde rasch klar, dass an diesem Ort ein Kinderdorf für Waisenkinder des 2. Weltkriegs erstellt werden sollte. Bereits im September 1946 konnten erste französische Waisen in die neu erstellten Häuser einziehen.
Am Anfang war das Pestalozzidorf Zufluchtsort für Menschen, die in ihren eigenen zerstörten Ländern auf keine Unterstützung zählen konnten. Mit der Zeit zeigte sich jedoch, dass bei den Waisen eine gewisse Entwurzelung spürbar wurde, die dazu führte, dass das Konzept des Pestalozzidorfes in den Sechzigerjahren weiterentwickelt wurde. Neu wurden vermehrt Flüchtlinge temporär aufgenommen und die internationalen Projekte für Entwicklung und Zusammenarbeit intensiviert. Jungen Menschen sollte im Pestalozzidorf die Möglichkeit gegeben werden, mit anderen Sprachen und Kulturen in Kontakt zu kommen. Entwicklung und Zusammenarbeit werden auf diese Weise unmittelbar und praxisnah erlebbar.
Meine Schülerinnen und Schüler wussten am Anfang nicht so recht, was da auf sie zukommen sollte. Sie waren eher etwas verunsichert. Die Klasse aus Polen war schon einige Tage vorher angereist und hatte bereits mehrere Workshops hinter sich, als die erste Begegnung stattfand. Dabei zeigte sich, dass es gar nicht so schwer ist, in Kontakt zu treten, und es machte sich daher schon am ersten Nachmittag so etwas wie eine gewisse Erleichterung bei meinen Schülerinnen und Schülern bemerkbar. Ich war froh, dass das Projekt gut gestartet war.
In den nächsten Tagen wurde die Zusammenarbeit auf vielfältige Weise intensiviert. Nach einer spielerischen Kennenlernphase in kleinen Gruppen und längeren gemeinsamen Spaziergängen kam es dann Mitte der Woche zu Workshops, in denen gesellschaftliche Themen wie Diskriminierung und Stereotypen wiederum mit sehr praxisnahen Übungen ins Zentrum gestellt wurden. Am Abend fand jeweils ein Rahmenprogramm statt, das die Teilnehmenden nach eigenem Bedürfnis nutzen konnten. Spiele konnten gespielt werden, es gab Karaoke-Angebote und auch auf den Fuss- und Volleyballfeldern herrschte Hochbetrieb. Als Rückzugsort diente jeder Klasse ein eigenes Haus, wo sie jeweils die Mahlzeiten einnahmen und die Nacht verbrachten.
Internationale Zusammenarbeit nach dem Konzept des Pestalozzi-Dorfs ist für die jungen Menschen vermutlich weniger schwierig, als sie am Anfang vermutet haben. Durch die umsichtig gestalteten Übungen und Anleitungen wird lebensnah der Austausch auf unmittelbare Weise möglich. In einer solchen Woche wächst nicht nur die Weltgemeinschaft ein kleines Stück weiter zusammen, sondern auch die einzelnen Klassen. Am Ende fuhren alle müde und zufrieden wieder nach Hause. Wer weiss, vielleicht zieht es den einen oder die andere meiner Schülerinnen und Schüler ja mal „in echt“ nach Polen?



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