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The Tempest: Im Tenor des Kammerchors der Musikhochschule Basel

Seit einigen Jahren haben ehemalige Mitglieder des Kammerchors der Musikhochschule Basel die Möglichkeit, bei gewissen Projekten als Zuzüger oder Zuzügerin mitzuwirken. Dies ist ein sehr schöner Brauch, da auf diese Weise ältere Alumnis mit aktuell Studierenden in Kontakt treten können. Initiiert wurde das Projekt von Raphael Immoos, emmeritierter Professor für Chordirigieren an der Musikhochschule Basel, und wird von seinem Nachfolger, Martin Wittges, aktuell verdankenswerterweise fortgesetzt.

So bin ich also anfangs Jahr angefragt worden, ob ich im Projekt «The Tempest» im Kammerchor mitwirken möchte. Auf dem Programm standen neben zwei Orchesterwerken das Sück «The Tempest» von Joseph Haydn und die Messe in C-Dur von Ludwig van Beethoven; beides Stücke, die in gewisser Weise in einer aufklärerischen Aufbruchsstimmung geschrieben worden sind. Der Auftraggeber der Messe, Fürst Esterhazy, war auch ein wichtiger Mäzen von Joseph Haydn gewesen. Beethoven musste sich also beim Komponieren dieser Messe dem Vergleich mit seinem Vorgänger stellen. Laut Quellen soll Esterhazy die Messe auf Grund ihres eigenwilligen, neuartigen Stils nicht besonders gemocht haben.

Auch ich musste mich beim Einstudieren erst etwas an den Stil gewöhnen. Mit der Zeit gefiel mir das Werk jedoch immer besser. Da ich nächste Woche meinen 50. Geburtstag feiere, war das Projekt auch so etwas wie ein Flashback während meines momentanen Minisabbaticals. Schon vor 25 Jahren habe ich im Kammerchor als «Baritenor» im Tenor gesungen und je nach Stelle die hohen Lagen nicht wirklich gut im Griff gehabt. Soll ich jetzt fisteln, falcettieren, Luft beimischen oder voll aussingen? Das Tenorsingen kam mir damals teilweise wie ein unberechenbarer Hindernislauf vor. Oft bin ich dann einfachheitshalber in hohen Lagen ins Falcettregister ausgewichen, das auf Grund meiner Knabenchorvergangenheit nicht mal so schlecht klingt. Ja, es ist für mich auch heute nicht einfach, die Tenorstimme in Beethovens Messe technisch sauber zu singen, weil sie teilweise recht stark vom Kopf her, und nicht aus einer stimmlichen Perspektive geschrieben worden ist. Viele Liegetöne in Mittellagen, starke Lagenwechsel in verschiedenen Lautstärken innerhalb kurzer Zeit machen auch die Beethovenmesse zu einer Art tenoralem Hürdenlauf, vor allem für mich als Baritenor, der recht stark mit Stütze arbeiten muss.

Derartigen stimmlichen Herausforderungen wollte ich mich schon länger besser stellen können und habe es vor rund einem Jahr endlich geschafft, wieder Gesangsstunden zu nehmen. Mein aktueller Lehrer konnte mir einige neue technische Aspekte des Singens aufzeigen und hat damit bei mir neue, spannende Entwicklungen ausgelöst. Zusätzlich übe ich zum Leidwesen meiner Familie viel mehr Singen als je zuvor. Die Quintessenz der Geschichte ist, dass ich seit jüngster Zeit ein «hohes C» voll aussingen kann und in einer C-Durmesse von Beethoven in hohen Lagen nicht mehr zwingend ins Falcett wechseln muss, sondern viel besser die Register mischen kann. Eine (Lieblings-) Stelle habe ich heuten trotzdem im Falcett gesungen: «confiteor unum baptisma» und diesmal nicht, weil ich wechseln musste, sondern sinngemäss wechseln wollte. Tenor singen macht so einfach noch mehr Spass…

 

 

 

 

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